Chronik des Kegelsports

Wo liegen die Wurzeln des Kegelspieles (-sports)

In fast allen Veröffentlichungen zu diesem Thema liest man, dass der Ursprung des Kegelns bis in das alte Ägypten zurückreicht. Bei archäologischen Ausgrabungen soll man in einem Kindergrab aus der Nahada - Kultur in der Nähe von Luxor das Zubehör für ein Kegelspiel, das unserem heutigen ähnelt, gefunden haben. Auch Wandreliefs aus dieser Zeit - etwa 3500 bis 3200 v. Chr. - mit Spielszenen belegen, dass das Kegelspiel bereits in dieser alten Hochkultur bekannt war und als das Rollen mit dem Stein betrieben wurde.  

Es dürfte aber übertrieben sein, wenn daraus manche Autoren heute den Schluss ziehen, dass das Kegeln zu den ältesten Sportarten gezählt werden kann. Es war zu dieser Zeit ein reines Spiel, es ging um das Treffen und Umwerfen von Gegenständen, ein sportlicher Hintergrund lag mit Sicherheit dabei nicht vor.  

Aus Überlieferungen ist auch bekannt, dass selbst die alten Germanen sich beim Stein-Zielwerfen auf drei, sieben oder damals bereits neun Kegelknochen vergnügten. Es ist allerdings nicht bekannt, ob religiöse Motive wie das Vertreiben der allgegenwärtigen Gespenster oder nur Spaß und körperliche Betätigung der Ausgangspunkt für dieses Spiel waren. Aber welcher Anlass es auch immer gewesen sein mag, gekegelt haben also schon die Germanen und dort sollten wir auch die Urform unseres heutigen Kegelns suchen. Im Althochdeutschen war der Begriff chegil bereits im 8. bis 12. Jahrhundert gebräuchlich. Es ist aber heute nicht mehr möglich, ausgehend von diesem alten Ausdruck irgend eine Kontinuität des Kegelspiels aus dem Mittelalter nachzuweisen. Alles was in dieser Zeit mit dem Spiel des Werfens auf Gegenstände passierte, ob und wie es sich entwickelte, liegt weitgehend im Dunkeln.  

Erst in der Mitte des 12. Jahrhunderts findet sich wieder ein Nachweis für das Kegeln. Dabei wird in einer Chronik der Stadt Rothenburg ob der Tauber aus dem Jahr 1157 erstmals das Kegeln erwähnt. Allerdings wirft der entsprechende Eintrag kein gutes Licht auf die heute so beliebte und aktuelle Sportart. 

Ein junger Mann aus gutem Hause, der große Summen verloren hatte, wurde laut diesem Vermerk von seinem Onkel zu dem Gelöbnis gezwungen: Zehn Jahre kein Spiel, sei es Würfeln oder Kegeln oder anderes Spiel, womit man einem Menschen Verlust beibringt! Bei Nichteinhaltung drohte ihm der Verweis aus der Stadt und der Einzug seines gesamten Vermögens.

Die Verfehlung des jungen Mannes war kein Einzelfall. Auch andere Schriften und Chroniken berichten, dass in dieser Zeit das Kegeln auf keinem Jahrmarkt fehlte. Anfangs wurde dabei eine Kugel nur auf ein Objekt geworfen oder gerollt. Später waren es dann mehrere, bis zu elf Gegenstände, die in ihrer Form bereits unseren heutigen Kegeln ähnelten.

Es diente überall als Belustigung von jung und alt, von arm und reich. Da es völlig offen ohne Regeln stattfand, trat natürlich jeglicher sportliche Gedanke vollständig in den Hintergrund. Es wurde praktisch nur um Gut und Geld gespielt. Es ist normal, dass so etwas ausartet und zum Missbrauch des eigentlichen Spieles führt. Es ging recht derb, ja zuweilen sogar gewalttätig beim Kegeln zu. Es kam nicht selten zu Trinkgelagen, zu Raufereien und sogar Messerstechereien waren an der Tagesordnung.

Im Verlaufe der Geschichte fühlten sich verschiedene Stadt- und Gemeindeverwaltungen mehrfach gezwungen, Verbote gegen das Wettkegeln einer kleinen Anzahl notorischer Spieler und Betrüger auszusprechen.

Der schlechte Ruf, der dem damaligen Kegelspiel anhaftete, zeigt sich im Braunschweiger Stadtrecht aus dem Jahre 1232. Dem kann man entnehmen, dass derjenige ein schlechter Mensch ist, der Vagabunden und Kegelspieler mehr als eine Nacht bei sich aufnimmt.

1276 ist im Stadtbuch der Stadt Augsburg vermerkt, dass unter Androhung von Gefängnis und Geldstrafe das Kegeln mit Minderjährigen verboten ist.

Es mutet unter diesen Umständen recht seltsam an und entbehrt nicht einer bestimmten Pikanterie, vielleicht sogar eines Maßes an Komik, dass das von manchen verfluchte und von der Obrigkeit argwöhnisch beobachtete Kegelspiel seinen Eingang in eine Gesellschaft fand, der man es am wenigsten zugetraut hätte: in die Abgeschiedenheit der Klöster! Aus Mönchen, aus Klosterbrüdern wurden Kegelbrüder. Das Spiel, welches vor den Klostermauern zeitweise verboten war, wurde drinnen mit Leidenschaft gepflegt. Es wurde dabei auch nicht versäumt, diesem Spiel einen religiösen Hintergrund anzudichten. Der Kegel verkörperte das Böse und man nannte diesen Zeitvertreib einfach Heidentöten.

Ein Beweis für das Kegelspiel in der Abgeschiedenheit der Mönche zeigt sich in einer Handschrift aus der nordrheinischen Stadt Xantes. Dort wird im Jahr 1265 erstmals von einer Kegelgilde berichtet. Bürger der Stadt und die katholische Geistlichkeit des Stiftes St. Victor schlossen sich zu einem »fratres kegelorum« (Brüder des Kegelns) zusammen. Heute würde man so etwas einfach als Kegelclub bezeichnen. Die Handschrift sagt auch, dass damals die Aufnahmegebühr in Form von Naturalien entrichtet werden musste.

Das schlechte Renommee des Kegelspiels setzte sich trotzdem überall fort und führte im Jahr 1335 dazu, dass es per Dekret in ganz Deutschland verboten wurde. Und nicht nur in Deutschland war das so. Auch in England ordnete 1388 König Richard II. an: Die Bediensteten und Arbeiter sollen Pfeil und Bogen besitzen und sich in ihrem Gebrauch an Sonn- und Feiertagen üben und das Fußballspielen und andere Spiele ganz und gar unterlassen, als da sind Diskuswerfen, Steinstoßen, Kegeln.

1454 schloss sich Frankreich dem totalen Verbot des Kegelspielens an.

Erst im Jahr 1468 wurde das Kegelspiel in Deutschland zu Kirchweihfesten als Unterhaltungsspiel wieder zugelassen. Es gab aber klare Beschränkungen für die Höhe des Wetteinsatzes. Nachdem es die Geistlichkeit schon seit langem erfreute, fanden nun Handwerker und Bauern aber auch der Hochadel Interesse an diesem Spiel.

So soll im Jahr 1463 in der Frankfurter Patrizier-Gesellschaft Limburg ein Kegeln stattgefunden haben, für welches jedes Mitglied als Preise drei silberne Kleinode ausgesetzt hat und um die dann gemeinsam gespielt wurde.

Zahlreiche Überlieferungen und Bilddokumente zeigen, dass es kaum ein Volksfest und einen Jahrmarkt gab, bei denen nicht eine Kegelveranstaltung stattfand.

Auch bei vielen größeren Hochzeiten durfte das Kegelspiel mittlerweile nicht mehr fehlen. Damit verlor es nach und nach seinen schlechten Ruf als Wett- und Glücksspiel, es hatte sich zum harmlosen Unterhaltungsspiel entwickelt, blieb aber vorerst nur Männern vorbehalten. Erste Besitzer von eigenen Kegelbahnen waren in Deutschland verschiedene Kirchgemeinden. Es ist somit nicht verwunderlich, dass nach der Reformation auch die protestantische Obrigkeit versuchte, Einfluss auf das Kegelspiel zu nehmen. So stand zum Beispiel in der Reformationsverordnung der Stadt Basel aus dem Jahr 1529: ...kein Kegeln an Sonn- und Feiertagen während des Gottesdienstes und vor 13 Uhr.

Gesellschaftsfähig wurde das Kegeln aber erst, nachdem eine einigermaßen einheitliche Ordnung geschaffen war. Bisher gab es völlig offene, eigentlich überhaupt keine Regeln. Erst im Jahr 1786 veröffentlichte der Berliner Arzt und Gelehrte Johann Georg Krunitz in seinem vielbändigen Lexikon unter anderem auch 13 Regeln für das Kegelspiel. Sie sind natürlich mit den heutigen nicht mehr vergleichbar, aber es ist erstaunlich, dass sich zwei davon bis heute erhalten haben: Schon damals durfte man nicht übertreten und die Kugel musste vor einer bestimmten Linie aufgelegt werden.

Im frühen 19. Jahrhundert bildeten sich die ersten Spielgemeinschaften, in denen regelmäßig das Kegeln betrieben wurde. In mehreren Veröffentlichungen wird gesagt, dass deren Anliegen zuerst darin bestanden haben soll, Bedürftigen zu helfen. Schon bald traten hier aber erstmals sportliche Zielstellungen und Interessen in den Vordergrund. Aus dem Kegelspiel begann sich der Kegelsport herauszubilden.

Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 war Deutschland ein loser Staatenbund mit vielen selbständigen kleinen Herzog- und Fürstentümern. Damit waren natürlich einer einheitlichen Entwicklung im Sport Grenzen gesetzt. Erst nach der Bildung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 konnte dieser Prozess so wie in vielen anderen Sportarten auch im Kegelsport in Angriff genommen werden.

Es gründete sich 1871 der Deutsche Schützenbund in Gotha, 1877 der Deutsche Schachbund in Leipzig, 1883 der Deutsche Ruderverband in Köln und 1884 der Deutsche Radfahrer-Verband in Leipzig.

Im Jahr 1885 war es dann auch für die Kegler so weit. Nachdem im Jahr 1884 erstmals die Deutsche Kegel- und Skatzeitung erschienen war, fand endlich am 07. Juni 1885 in Dresden ein Keglerkongress statt, auf dem sich der Zentralverband Deutscher Kegelclubs konstituierte.

Welch eine stürmische Entwicklung dieser Gründung vorausgegangen war, zeigt allein schon die Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt in Deutschland bereits 227 Kegelclubs registriert waren.

Zwei Jahre später, am 12. Dezember 1887, wurde der Zentralverband in Deutscher Keglerbund umbenannt. Dieser Name hat zwei Weltkriege und die Teilung Deutschlands überstanden; er gilt auch heute noch.

Anfangs konnte dieser neu gegründete Verband noch keinen direkten Einfluss auf die Gepflogenheiten der Clubs ausüben. Wettkegeln und Preiskegeln in den verschiedensten Formen fanden weiterhin statt, große Keglerfeste mit Geld- und Sachpreisen und das jährliche Wild-, Geflügel- und Schinkenkegeln wurden durchgeführt. Der Deutsche Keglerbund war aber trotzdem die Geburtsstätte des Kegelsports. Er war es, der die weitere Entwicklung dieser Sport-Disziplin in die richtigen Bahnen lenkte.

Als Bedingung für die Kegelspiele und das Preiskegeln galt zur damaligen Zeit der Wurf von drei bis höchstens zehn Kugeln hintereinander. Jeder Einsatz erforderte eine Startkarte, die man allerdings in beliebigen Mengen kaufen konnte - soweit eben das Geld reichte. Es ist bekannt, dass im Jahr 1900 in Berlin ein einhunderttägiges Preiskegeln stattfand. Der Gewinner erhielt eine hochherrschaftliche Villa.

Leider ist über den Preis einer Startkarte bei diesem Turnier nichts bekannt. Wenn man sich aber vorstellt, dass von den Einnahmen nicht nur der Preis gekauft und die Unkosten gedeckt werden mussten, einen Überschuss wollte man nach Möglichkeit auch noch erzielen, dann lässt sich der utopische Preis für die Teilnahme erahnen. Der Sport blieb natürlich dabei auf der Strecke.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges fanden sich Männer, die den Mehrkugelstart, das heißt den Wurf von 50, 100, 200 oder sogar 300 Kugeln hintereinander forderten. Sie waren die Vorkämpfer des heutigen Kegelsports. Damit trennten sich aber auch in den bestehenden Kegelvereinen die Interessen. Einzelne Clubs verschrieben sich voll und ganz dem Sportkegeln. Andere, deren Mitglieder davon nichts wissen wollten, beschränkten sich auf das Freizeit- oder Hobbykegeln. Diese klare Trennung hat sich bis heute erhalten.

Nicht weniger als 40 Jahre, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, dauerte es, bis die zur vollen sportlichen Entwicklung des Kegelns erforderlichen Grundlagen geschaffen waren: die Organisation der Kegler in Clubs, Orts- und Landesverbänden, die Erarbeitung einheitlicher sportlicher Regeln für die Durchführung von Wettkämpfen und Meisterschaften, die Normung der Bahnen und des Sportmaterials, die Schaffung einheitlicher Sportkleidung.

Praktisch war dieser Prozess erst im Jahr 1922 abgeschlossen, als in Frankfurt am Main die ersten deutschen Meisterschaften im Sportkegeln stattfanden.

Dass sich dabei im Laufe der Zeit immer noch Änderungen und Ergänzungen ergaben, ist logisch. Das lässt sich am Beispiel der Sportkleidung deutlich demonstrieren.

Das langärmlige weiße Kragenhemd mit Binder stand am Anfang der Entwicklung vom Spiel zum Sport. Da die langen Ärmel hinderlich waren, wurden sie mit Ärmelhaltern aus Gummi versehen. Später gestattete man, den Wurfarm durch Hochkrempeln des Ärmels frei zu machen. Bald danach durfte auch ohne Binder gespielt werden.  

Nach vielen Verhandlungen in Wort und Schrift setzte sich endlich das Sporttrikot mit halblangem Ärmel durch. Dazu wurde eine lange weiße Hose getragen.

Bis sich die kurze weiße Sporthose durchsetzte, vergingen noch Jahre und erst in den 1970er Jahren war es gestattet, einheitlich in Clubkleidung zu Wettkämpfen zu starten.

Ähnlich entwickelte sich auch die Frauenkleidung.

Anfangs verlangte die Vorschrift den dunklen Rock und die weiße Schoßbluse mit Binder. Dann trug man das weiße Sportkleid. Das war nicht besonders praktisch, denn wenn es zu weit war, dann hinderte es beim Kugelwurf. Aber auch hier waren manche Hürden zu nehmen, bis sich der kurze, weiße sportliche Rock und endlich wie bei den Männern die einheitliche Clubkleidung durchsetzten.

Das galt aber nicht nur für die Spielkleidung. Wie in allen Sportarten haben sich auch im Kegeln immer wieder verschiedene Bestimmungen geändert; sie wurden neuen Gegebenheiten angepasst, Erfahrungen wurden eingearbeitet. Als ein weiteres Beispiel soll der heute selbstverständliche Gassenzwang im Bohlekegeln gelten. Er wurde erst im Jahr 1938 eingeführt. Dabei war festgelegt, dass jeweils in die rechte Gasse zu beginnen ist. Auch das Abräumen beim Asphalt- und Scherekegeln gab es vorher noch nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte man in allen Disziplinen nur ein Spiel in die Vollen.

Ab Mitte der 1920er Jahre haben Turniere stattgefunden, in denen der Gassenzwang galt, aber das wurde dann jeweils in den Ausschreibungen als Besonderheit bekannt gegeben und galt nur für diesen Wettkampf. Im Jahr 1928 entstand eine neue Altersklasse. Es wurde festgelegt, dass man ab Erreichen des 60. Lebensjahres als Senior starten konnte. Erstaunlich ist aber die Tatsache, dass es bis zum Jahr 1945 kein Kegeln für Kinder oder Jugendliche gab! Mitglied des DKB konnte man erst mit 18 Jahren werden.

Offensichtlich wirkte der schlechte Ruf des Kegelns aus dem Mittelalter noch sehr lange nach.

Einige Bemerkungen zu den Kegelbahnen.

Im Laufe der Entwicklung entstanden in verschiedenen Regionen unterschiedliche Formen des Kegelns. Das Geschicklichkeitsspiel, bei dem ausschließlich mit Kugeln auf eine kleine Zielkugel gespielt wird - es gibt keine Kegel - hat sich in Deutschland zu keiner Zeit durchgesetzt. Man kennt es heute als Boccia in Italien, als Jeu du boule in Frankreich und als Bowls in England.

Aber auch in Deutschland, dem Mutterland des Kegelsports, hat das reine Spiel auf Kegel einen territorial unterschiedlichen Zuschnitt erhalten.

Zur Zeit der Gründung des Deutschen Keglerbundes hatten sich in Süddeutschland sowie in Sachsen und Thüringen so genannte Asphaltbahnen durchgesetzt. In Norddeutschland, aber auch in Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt fand man hauptsächlich Bohlebahnen. Im Berliner Raum existierten beide Arten.

Die Asphaltbahn, inzwischen in Deutschland als Classicbahn bezeichnet, hat eine Lauflänge von 28m. Die Oberfläche besteht aus einem Asphalt- oder Kunststoffbelag. Sie hatte ursprünglich keine Fehlwurfrinne, sondern war mit Bandenbrettern ausgerüstet.

Auf dieser 1,50m breiten, waagerecht verlaufenden Bahn wird sowohl in die Vollen, als auch das Abräumen gespielt. Erst wesentlich später, im Jahr 1974, führte man eine Europa-Bahn, ohne Bande aber mit Fehlwurfrinne, ein.

Abweichend davon besitzt die Bohlebahn eine gekehlte Lauffläche mit einer festgelegten Länge von 31m. Sie wird aus Holz hergestellt und ist über die gesamte Länge nur 35cm breit. Im Unterschied zur vollständig waagerechten Asphaltbahn weist die Bohlebahn zu den Kegeln hin eine Steigung von 10cm auf.

Wegen der gekehlten Lauffläche kann man auf Bohlebahnen nur in die Vollen spielen. Bei beiden Bahnarten werden die gleichen neun Kegel verwendet, aber bis vor wenigen Jahren wurde mit unterschiedlichen Kugeln gespielt. Früher waren die Bohlekugeln mit 16,5cm etwas größer; inzwischen hat sich bei beiden eine einheitliche Kugel mit 16cm Durchmesser und einem Gewicht zwischen 2,8 und 2,9kg durchgesetzt.

Seit 1967, nachdem Kegeln für Kinder im Bereich des DKV der DDR zugelassen worden war, führte man für diese Altersklasse so genannte Kinderkugeln mit einem Durchmesser von 14cm ein.  

Warum haben sich in Deutschland diese beiden, im Prinzip doch recht unterschiedlichen Arten des Kegelns entwickelt? 

Diese Frage lässt sich nur schwer beantworten. Im Buch »Kegeln«, erschienen 1982 im Sportverlag Berlin, wird der Versuch einer Erklärung unternommen. Man sagt dort, dass das Kegelspiel bis zum 18. Jahrhundert ausnahmslos im Freien durchgeführt wurde. Ein ebener Platz mit festem Untergrund genügte zum Aufstellen der Kegel. Für die festen Laufflächen der Kugeln wurden die verschiedensten vorhandenen Materialien wie Lehm, Schiefer, Holz, Gips u.a. verwendet. Man nimmt an, dass die Unregelmäßigkeiten beim Abwurf der Kugel dadurch beseitigt werden sollten, dass zuerst für den Auflagepunkt der Kugel eine feste Auflage geschaffen worden ist. Wahrscheinlich bestand sie aus einem Holzbrett und später aus einer festen Bohle. Um die Schwierigkeiten beim Bau eines festen Untergrundes für die Bahnfläche zu beseitigen, hat man dann die Aufsatzbohle bis zum Kegelstand weiter geführt. Dadurch sollte ein Abweichen der Kugel von der Wurfrichtung möglichst vermieden werden. 

 Durch die Abnutzung dieser Auflagebohle bei längerem Gebrauch und durch Witterungseinflüsse bedingt, entstand in der Mitte im Laufe der Zeit eine Vertiefung, die den Kugellauf beeinflusste. Diese Kehlung verlangte vom Kegler eine seitliche Auflage, um den Spitzenkegel seitlich zu treffen. Das Bohlespiel war geboren! In den Industriegebieten im Süden Deutschlands war wahrscheinlich der Bau fester Straßen mit Asphaltbelag ausschlaggebend. 

Man erkannte, dass sich Asphalt vorzüglich als Belag für eine feste, widerstandsfähige Bahnfläche eignet. Der ursprüngliche Straßenasphalt wurde dabei verfeinert und geglättet, um eine zu große Abnutzung der damals verwendeten Holzkugeln zu verhindern. Es wäre unsinnig, darüber zu polemisieren, welche der beiden Arten schwieriger zu spielen, welche sportlich wertvoller ist. Jeder Spieler auf einer Asphaltbahn sieht eine 1,50m breite spiegelglatte Fläche vor sich. Dort muss er die Kugel genau an der richtigen Stelle aufsetzen und sie genau in die richtige Richtung schieben. Außerdem muss er seine Technik beim Spiel in die Vollen und beim Abräumen jeweils ändern. Der Bohlespieler hingegen muss sich an jede Bahn anpassen. Er kennt seine Heimbahn, aber auf einer fremden Bahn gilt es, deren Eigenschaften schnell zu erkennen, sich auf die Tücken einzustellen, die durch Dauernutzung, Maserung und Alter des Holzes, Ausmaß der Kehlung und durch die Pflege, die man der Bahn angedeihen lässt, entstanden sind. Um alles noch etwas zu erschweren, gibt es hier zusätzlich noch eine Gassenpflicht, das heißt eine Festlegung, auf welcher Seite der Bahn ein Kegel getroffen werden muss. 

 Beide Disziplinen sind gleichberechtigt im Deutschen Keglerbund vertreten. Die Asphalt-/Classicbahn ist aber die in Deutschland weiter verbreitete Bahnart und wird wettkampfmäßig durch mehr aktive Kegelsportler genutzt. Zum Zeitpunkt der Gründung des Deutschen Keglerbundes gab es noch eine weitere regionale und besondere Form des Kegelns, die aber von der sonst üblichen Technik total abweicht - das Platzkegeln. Es wurde und wird auch heute noch als Wettkampfsportart traditionell nur im Mansfelder Land, im südlichen Sachsen-Anhalt betrieben. Dabei wird eine hölzerne Kugel mit einem Durchmesser von 24cm nicht gerollt, sondern aus einer Entfernung von 6,50m von einer markierten Standfläche aus auf die neun Kegel geworfen. Sie haben eine andere Form als bei Asphalt- und Bohlebahnen. Zum Schutz der anderen Spieler und der Zuschauer befindet sich etwa 80cm hinter dem Kegelstand eine Fangwand. Im Gegensatz zu Asphalt- und Bohlebahnen werden Anlagen zum Platzkegeln im Freien aufgebaut. Die Saison beginnt deshalb auch grundsätzlich am 1. Mai und endet am 30. September. Eine Mannschaft besteht aus sechs Spielern, von denen fünf in die Wertung kommen. Jeder Spieler hat zwei mal fünf Wurf in die Vollen und fünf Wurf zum Abräumen - und das zweimal. 

 Obwohl auch diese Art den Namen Kegeln trägt, war und ist sie nicht im Deutschen Keglerbund vertreten. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich im Westen Deutschlands, besonders im Rheinland eine weitere Art des Kegelsports entwickelt - das Kegeln auf Scherebahnen. Sie wurde im Jahr 1921 als dritte gleichberechtigte Disziplin in den Deutschen Keglerbund aufgenommen. Die Scherebahn kann man im Prinzip als das geglückte Produkt einer Verbindung zwischen Asphalt- und Bohlebahn bezeichnen. Sie vereint alle guten Eigenschaften der beiden Schwestern. Mit einer Lauflänge von 25,5m ist sie die kürzeste der drei Bahnen. Sie ist im ersten Teil genau wie die Bohlebahn gekehlt und besitzt ebenfalls eine Steigung von 10cm zu den Kegeln hin. Ihren Namen hat sie aber durch das scherenförmige, nicht gekehlte letzte Laufstück der Holzbohle vor den Kegeln erhalten. Dadurch ist es möglich, auf Scherebahnen sowohl in die Vollen als auch das Abräumen zu spielen. Es werden die gleichen Kugeln und die gleichen Kegel verwendet wie auf Asphalt- und auf Bohlebahnen. Bereits ein Jahr nach Zulassung dieser dritten Disziplin fand 1922 in Frankfurt am Main die erste Deutsche Meisterschaft für Zehnermannschaften auf Asphalt, Bohle und Schere statt. Eine Beteiligung von Keglerinnen war noch nicht möglich. Die erste Frau wurde erst im Jahr 1926 in den Deutschen Keglerbund aufgenommen. 1924 bildete sich in Chemnitz, einem Zentrum des Asphaltkegelns, neben dem Deutschen Keglerbund der Deutsche Arbeiter-Kegelbund. Ihm gehörten zeitweise bis zu 10000 Mitglieder an. 

In Anlehnung an die Gepflogenheiten des Deutschen Keglerbundes führte er auch Meisterschaften und Verbandskämpfe in den Disziplinen Asphalt, Bohle und Schere durch. So bestanden in Deutschland mehrere Jahre zwei Keglerbunde nebeneinander, die getrennte Wege gingen. Der Deutsche Arbeiter-Kegelbund wurde, wie alle Arbeitersportverbände, nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 aufgelöst und verboten, der Deutsche Keglerbund konnte weiter bestehen. Eine weitere Kegelsportdisziplin - das Bowlingspiel - hat die wohl eigenartigste Entwicklung durchlaufen. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts haben süddeutsche und holländische Auswanderer ihre Neun-Kegel-Latten- oder Parkettbahn in Nordamerika eingeführt. Sie wollten auf ihr Kegelspiel nicht verzichten. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts folgte aber das, was in Deutschland schon viel früher passierte und dort inzwischen schon wieder aufgehoben war. Die Behörden verboten per Gerichtsbeschluss das Spiel auf neun Kegel als Glücksspiel. Um das Verbot zu umgehen, ersannen die Kegelers eine List. Man fügte zu den neun Kegeln einen zehnten hinzu, nannte sie fortan Pins und stellte diese Pins etwas anders, als gleichseitiges Dreieck, auf. Dem neuen Spiel gab man den Namen Bowling. Das war die Geburtsstunde einer Sportart, die sich rasch weltweit verbreitet hat. Es gibt allerdings auch einzelne Literaturquellen, die behaupten, dass Bowlingspielen eine rein amerikanische Erfindung sei und bereits vor dem Verbot des Kegelns auf neun Kegel existiert haben soll. 

 Die Bowlingbahn ist von den drei bereits dargelegten Bahnarten völlig verschieden. Die gesamte, horizontal liegende Lauffläche hat nur eine Länge von 18,30m und eine Breite von 1,05m, sowie einen um fast einen Meter kürzeren Anlauf. Sowohl Anlauf als auch Kugellauf bestehen über die gesamte Länge und Breite aus Parkettboden, es gibt demzufolge auch keine Auflagebohle. 

Der Anlauf darf nicht, aber der Kugellauf muss poliert werden, um der Kugel die höchstmögliche Gleitfähigkeit zu geben. Als einzige der vier Bahnarten besitzt die Bowlingbahn als Hilfsmittel für das Einnehmen der Startstellung und der Kontrolle der Kugelauflage Orientierungspunkte sowie Richtungspfeile. Die Kegel der Bowlingbahn sind kleiner, breiter und leichter als auf den drei anderen Bahnen. 

Die Kugel hat einen Durchmesser von 21,8cm und ist wegen ihrer Größe mit drei Bohrungen für Daumen, Ring- und Mittelfinger versehen. Auch das Spielergebnis wird anders gewertet. Während bei Asphalt-, Bohle- und Scherebahnen die Addition der gefallenen Kegel gewertet wird, gilt beim Bowling ein besonderes Prämiensystem. 1891 wurde in den USA die Bowlingbahn mit 10 Pins zur Einheitsbahn oder auch Internationalen Bahn (I-Bahn) erklärt. In Deutschland fand sie ihre Anerkennung erst später. Im Jahr 1929 nahm der Deutsche Keglerbund das Spielen auf einer Bowlingbahn (»Amerikabahn«) als vierte und letzte Disziplin des Sportkegelns auf und 1931 fanden die ersten Deutschen Meisterschaften in Frankfurt am Main statt. 1936 beauftragte die Internationale Bowling Association (IBA) den Deutschen Keglerbund mit der Ausrichtung der III. Bowling-Weltmeisterschaft. Im Juli, nur wenige Wochen vor den olympischen Sommerspielen, fand dieses Championat in Berlin statt. Die Wettkämpfe wurden verbunden mit dem Jubiläumsturnier der 15. Deutschen Meisterschaft im Sportkegeln. Dazu installierte man, nur für diese Wettkämpfe, in der Deutschlandhalle 8 Bowling-, 14 Bohle- 12 Asphalt- und 6 Scherebahnen. Zur Bowling-Weltmeisterschaft waren 16 Nationen am Start. Dabei gelang es mit Karl Goldhammer erstmals einem Deutschen, einen Titel in dieser Disziplin zu erringen. Nach dem Ende aller Wettbewerbe wurden die Bahnen wieder abgebaut und die Halle stand für olympische Veranstaltungen zur Verfügung. 

 Mit dem Einmarsch deutscher Wehrmachtsverbände am 1. September 1939 in Polen begann der Zweite Weltkrieg. Wenn auch der Reichssportführer wenige Tage nach Kriegsbeginn einen Appell an die deutschen Sportler richtete, in dem er aufrief, die Weiterarbeit im Sport zu sichern und nicht die Fehler von 1914 zu wiederholen und in lethargische Erschlaffung zu verfallen, so war doch an einen geregelten Sportbetrieb nicht mehr zu denken. Auch die erfolgreiche Entwicklung des Sportkegelns wurde damit unterbrochen.